A.Vogel Blog – Grüne Welt

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Palmöl in der Diskussion: Nachhaltig produzieren statt boykottieren

von Heike Mühldorfer, am 4 November 2016, A.Vogel, Gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit
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Palmöl ist unglaublich vielfältig einsetzbar und ernährungsphysiologisch wertvoll. Andererseits belastet die massiv gestiegene Nachfrage Menschen und Umwelt in den Herkunftsländern enorm. Also boykottieren? Nein, denn ein Boykott würde die Situation nicht zum Guten ändern. Wie es besser geht, wer es schon besser macht und was wir im Privaten tun können habe ich beim superinteressanten Palmöl-Forum des Naturkost-Produzenten Rapunzel im Oktober gelernt. 

Palmöl ist ein sehr hochwertiges Speiseöl, vor allem mit seinem hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren nimmt es eine bedeutende Rolle bei der Zellgesundheit ein, wie Ärztin Dr. Katrin Bieber beim Rapunzel Palmölforum eindrucksvoll berichtet. Denn jede Zellwand besteht hauptsächlich aus dieser Stoffgruppe, sodass Palmöl in der Nahrung den Zellen direkt zugute kommt. Palmöl enthält außerdem 10 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren und sehr viel Vitamin E mit einer hohen antioxidativen Wirkung. Es kann den Cholesterinspiegel niedrig halten und gut für Herz und Nerven sein. Auch technologisch lässt sich die immense Nachfrage nach Palmöl einfach erklären: Palmöl bleibt auch bei Zimmertemperatur fest, macht Schokolade cremig-zart und Schoko-Cremes und Margarine streichfähig und es  ersetzt in immer mehr Produkten gesundheitsschädliche gehärtete Fette.

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Jessenia Angulo und Laryssa Zaneuskaya berichten vom nachhaltigen Palmöl-Anbau bei Natural Habitat in Ecuador. Foto: © Rapunzel

Schokolade, Cremes und „Bio-Sprit“

Palmöl steckt also auch in Pizzen und anderen Fertiggerichten, Suppen und Eiskrem, sowie in Kosmetik, Gesichtscremes und Waschmitteln – rund 40 Prozent der in Deutschland verwendeten 1,8 Millionen Tonnen Palmöl werden dafür verarbeitet (Quelle: WWF). Ein ähnlich großer Anteil geht mit 41 Prozent in so genannten Bio-Sprit, der herkömmliches Benzin ersetzen soll. („Bio“ steht hier für nachwachsende Rohstoffe und nicht für einen ökologischen Effekt!). Der Rest landet bei Pharmazie oder Reinigungsmittel und in den Futtertrögen der konventionellen Intensivtierhaltung.

Um den Bedarf am Palmöl zu decken, wurden vor allem in Indonesien und Malaysia und einigen anderen Ländern am Äquator über 17 Millionen Hektar wertvoller Regenwald gerodet, eine Fläche halb so groß wie Deutschland; davon allein für den deutschen Verbrauch knapp 400.000 Hektar, eine Fläche zwei Mal so groß wie die Insel Teneriffa. Die furchtbaren Bilder der abgeholzten Wälder kennen wir alle. Sie zeigen zerstörten Lebensraum unzähliger Wildtiere und machen die fatalen Konsequenzen für den Artenschutz sichtbar. Auch die Folgen fürs Klima sind enorm – bei der Brandrodung entstehen schädliche Treibhausgase, weniger Bäume können weniger CO2 (auch ein Treibhausgas) binden und Sauerstoff produzieren. Auch der Wasserkreislauf im intakten Regenwald spielt eine wichtige Rolle fürs globale Klima.

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Abgeholzter Regenwald in der Provinz Riau, Indonesien. Foto: © WWF

Palmöl-Boykott? Macht keinen Sinn

Kein Wunder also, dass unter Regenwaldaktivisten immer wieder von Palmöl-Boykott die Rede ist. Das ist aber keine echte Alternative, denn wo Palmöl drin steckt, müsste stattdessen anderes pflanzliches Öl verarbeitet werden. Zum Beispiel Kokos- oder Sojaöl, oder heimisches Raps- und Sonnenblumenöl. Eine aktuelle Studie des WWF zeigt, dass aus Umweltsicht mehr Nachteile als Vorteile aus einem Tausch der pflanzlichen Ölquellen hervorgingen: Da Palmölfrüchte besonders ölhaltig und ergiebig sind, müsste für eine vergleichbare Menge Öl noch viel mehr Flächen gerodet werden. Der Umweltverband setzt deshalb auf bewussten und geringeren Konsum bzw. Verbrauch und einen nachhaltigen Anbau.

In der Palmöl-Diskussion werden auch immer wieder die schlimmen Arbeits- und Lebensbedingungen der  Menschen bei der Produktion genannt. Für möglichst geringe Weltmarktpreise und maximalen Profit werden die  Menschen vor Ort ausgebeutet und leben unter menschenunwürdigen Bedingungen. Irene Koke vom Südwind e.V. hat sich die Wertschöpfungsketten von Palmöl (und auch Koksöl und Kakao) angesehen und wusste auf dem Forum von massiver Ausbeutung zu berichten. Sie kennt aber auch viele Beispiele der katastrophalen Folgen für die Menschen, die für neue Palmölplantagen aus ihrem seit Generationen angestammten Lebensraum vertrieben werden. Die Lösung ihrer NGO setzt bei Politik und den Unternehmen an. Denn sie können und müssen Einfluss auf die Art und Weise des Anbaus nehmen.

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Von links: Journalist Leo Frühschütz, Sarah Scholz und Irene Knoke von den engagierten NGOs und die beiden Palmöl-Produzenten Dr. Gero Leson von Serendipalm und Peter Oellers von Natural Habitats diskutieren die Möglichkeiten und Chancen eines fairen und nachhaltigen Anbaus. Foto: © Rapunzel

Lösung: Weniger konsumieren, nachhaltig produzieren

Schließlich kommen beim Palmölforum die zu Wort, die es besser machen. Zwei Unternehmen stellen auf ihre Projekte vor: Serendipalm  und Natural Habitat produzieren Palmöl in Ghana bzw. Ecuador. Ihre Farmen arbeiten vorbildlich in Bio-Qualität, mit sozialen Standards und für einen anständigen Lohn. Beide sind Partner von Rapunzel, sodass der Naturkosthersteller aus dem Allgäu (der übrigens schon 1993 die erste Bio-Produktion von Palmöl initiierte) ausschließlich mit Bio-Palmöl hergestellte Produkte im Sortiment herstellt und vertreibt, die unter fairen Bedingungen produziert wurden. Als Quader zum Braten und Backen, das Rote Palmöl mit natürlichem Karotin für die feine Küche, aber auch verschiedene Schoko-Cremes, die alle mit gutem Gewissen genossen werden können. Barbara Altmann hat hier im Blog schon über die Vorreiterrolle von Rapunzel berichtet: Palmöl – Bio und fair. Allerdings sind erst 0,02 Prozent der weltweit produzierten Palmöls aus Bio-Anbau. Wir können als Verbraucher dazu beitragen, dass diese Zahl schnell steigt.

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Fragen und informieren ist die Basis für richtige Kaufentscheidungen, auch wenn es um Palmöl geht. Leo Frühschütz hat als Umwelt-Journalist viele Fakten zu Palmöl gesammelt. Foto: © Rapunzel

Palmöl-Dilemma: Was tun?

Bewusst einkaufen ist das eine. Es gibt aber noch etwas, das wir Verbraucher tun können: Den Konsum im Gesamten überdenken und möglichst reduzieren. Heißt: Noch mehr selber kochen, sich bewusst gegen Fertiggerichte (enthalten oft Palmöl) und für Bio-Produkte entscheiden. Wann immer es möglich ist die Produkte wählen, die statt mit (konventionellem) Palmöl mit heimischem Sonnenblumenöl hergestellt werden, z.B. bei Chips oder auch in Schokolade. Für mich heißt das aber auch, keinen Agro-Sprit mehr zu tanken – dafür soll kein Regenwald zerstört und kein Mensch ausgebeutet werden.

Wie haltet ihr es mit Palmöl und Produkten daraus? Auf was könnt ihr am ehesten verzichten? Schreibt eure Ideen und Erfahrungen gerne ins Kommentarfeld. Ich bin sehr gespannt auf eure Anmerkungen.

Text: Heike Mühldorfer. Fotos: Rapunzel, WWF

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