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Zur Sache: Nicht ins Bockshorn(klee) jagen lassen

EHEC & die Bockshornkleesprossen: Ursache weiterhin ungeklärt

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Die EHEC-Epidemie 2011 war die bisher größte in Deutschland. Noch heute gelten offiziell verunreinigte Sprossen aus Niedersachsen als Ursache für den Ausbruch der Erkrankung. Das Problem: Es fehlen die Beweise.

Knächebrot Sprossen

Die im Mai 2011 wie aus dem Nichts auftauchende EHEC-Epidemie war die bisher größte in Deutschland und kostete 53 Menschen das Leben. Damals wurden 3842 Menschen mit dem Darmkeim EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli sind krankmachende Darmkeime des Bakterienstammes E.coli) angesteckt, bei 855 wurde eine lebensgefährliche Komplikation, das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), nachgewiesen.

Die Epidemie wütete hauptsächlich in Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die Betroffenen litten unter Bauchschmerzen, Übelkeit und schwerem bis blutigem Durchfall; manche zogen sich bleibende Nierenschäden zu.

EHEC: erst spanische Gurken, dann niedersächsische Sprossen

Wurden zunächst spanische Gurken als Träger des Keims ausgemacht, kamen schon bald rohe Sprossen ins Visier der Ermittler. Laut dem Abschlussbericht der Bundesregierung konnten die Vorfälle auf einen kleinen Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Bienenbütte zurückgeführt werden, der Sprossen aus ägyptischen Bockshornkleesamen gezogen und verkauft hatte – und damit den EHEC-Keim verbreitet haben soll. Der Betrieb wurde geschlossen.

Laut Recherchen der Verbraucherorganisation Foodwatch fehlten hierzu jedoch die Beweise – bis heute. Bereits im Mai 2012 legte Foodwatch den bisher kaum beachteten Bericht "Im Bockshorn" vor. Darin heißt es, dass den Behörden weder der Nachweis von EHEC in den ägyptischen Samen gelungen sei, noch dass der Keim in dem niedersächsischen Betrieb gefunden wurde.

90 % der EHEC-Fälle ungeklärt

Foodwatch versuchte bei den betreffenden Stellen, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sowie dem Robert Koch-Institut (RKI) Akteneinsicht zu erhalten. Das RKI räumte ein, dass bis heute nur 350 der insgesamt 3842 EHEC-Erkrankungen erklärt werden können. Und nur diese zehn Prozent ließen sich von der damals gebildeten Task-Force aus BVL und RKI auf den Sprossenbetrieb zurückführen. Jedoch wurden die Daten mittels Befragungen der Patienten gewonnen, und nicht durch den Nachweis einer verunreinigten Bockshornklee-Charge.

Was aber war mit den anderen 90 Prozent der EHEC-Erkrankten? Für diese Fälle gibt es auch heute noch keine Anhaltspunkte. Das Ergebnis der Untersuchungen des RKI fußt allein auf Hochrechnungen zu den erwähnten Befragungen. Zwar war der Sprossenbetrieb an der Verbreitung der belasteten Keimsaaten beteiligt, dass die Epidemie von diesem Betrieb ihren Ausgangspunkt nahm, ist damit aber nicht bewiesen worden.

Sprossen, oder doch Salat, Gurke & Tomate?

Außerdem zeigten Untersuchungen kurz nach dem Ausbruch, dass 95 Prozent der Befragten mit entsprechenden Symptomen mindestens einmal Salat, Gurke oder Tomate gegessen hatten. Es spricht also vieles dafür, dass die größte Epidemie mehrere Ansteckungswege hatte.  Nur eine sorgfältige Kontrolle der Lebensmittel sowie hohe Standards bei der Hygiene können zukünftige Ausbrüche verhindern helfen.

Übrigens: Die Bockshornklee-Samen von bioSnacky blieben nach intensiver Kontrolle zu jeder Zeit frei von E.coli oder EHEC-Erregern.


Autor: Tino Richter
Quellen: foodwatch, spiegel.de, faz.de
Zuletzt aktualisiert: 10.10. 2013


Weitere Informationen:


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