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Wissenschaftler aus 13 Forschungseinrichtungen in elf europäischen Ländern unter der Leitung der TU München untersuchten die drei Hauptverursacher von Heuschnupfen in Europa – die Pollen von Birken, Gräsern und Oliven. Die Hialine-Studie dauerte 3 Jahre und untersuchte den Zusammenhang zwischen der Pollenzahl und der Menge der freigesetzten Allergene.

Allergene statt Pollen

Dabei konzentrierten sie sich auf das jeweils wichtigste Allergen der drei Pflanzenarten: Bet v 1 (Birke), Phl p 5 (Gräser), Ole e 1 (Olive). Das Ergebnis: Einerseits konnten die Forscher eine hohe Übereinstimmung zwischen Pollenzahl und der Menge an Allergenen feststellen. Andererseits schwankte das allergische Potenzial an bestimmten Tagen um den Faktor 10. D.h., an den starken Tagen wurde bis zu zehnmal mehr Allergen freigesetzt als an schwachen. Bei den Gräserpollen war der Unterschied am größten, bei Birkenpollen am geringsten.
Die Messung von Allergenen statt Pollen könnte so in Zukunft bessere Vorhersagen treffen, hoffen die Forscher. Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik in Wien untersuchten in ihrer Studie dagegen, wie unterschiedlich die Menschen auf bestimmte Pollenbelastungen reagierten. Allergiker in Serbien z.B. begannen erst bei 37,7 Pollen pro Kubikmeter Luft körperliche Probleme zu zeigen, bei Österreichern war das bereits bei 9,5 Pollen und bei den Franzosen und Französinnen schon ab 5,2 Pollen je Kubikmeter Luft der Fall. Einem Österreicher würde demnach eine Reise nach Frankreich besser bekommen als eine nach Serbien.

Europaweite Belastungskarte

Die Wissenschaftler mutmaßen: Je höher die Pollenbelastung ist, der man sein bisheriges Leben lang ausgesetzt ist, desto toleranter wird man. Auch Anpassungseffekte könnten der Grund für die unterschiedlichen Werte sein.
Die Forscher arbeiten zurzeit an einer europaweiten Belastungskarte. Die bisherigen Daten stützen sich auf Eintragungen im Pollentagebuch zum Ragweed, auch beifußblättrige Ambrosie genannt. Das Pollentagebuch, das in den elf europäischen Ländern Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Schweden, Finnland, Serbien, Türkei, Ungarn, Litauen und Slowenien bereits über 29'000 Betroffene nutzen, soll nun auch weitere Schwellenwerte ermitteln. Nächstes Forschungsobjekt sind die Gräser-Pollen.

Warum gibt es immer mehr Pollenallergiker?

Warum aber nimmt die Zahl der Pollenallergiker stetig zu? Forscher können darüber nur mutmaßen: höhere Hygienestandards, die das Immunsystem unterfordern, Umweltverschmutzung und -gifte sowie genetische Ursachen werden diskutiert. Tatsache ist, dass Heuschnupfen in den Industrieländern weiter verbreitet ist als in sogenannten Entwicklungsländern, auch Kinder, die mit Tieren aufgewachsen sind, entwickeln weniger häufig Allergien und Asthma.

Durch den Klimawandel ist die Blütenstaubmenge in Europa deutlich angestiegen. Mehr CO2 in der Luft sorgt auch für mehr Pollen, kürzere Winter für eine frühere Pollenproduktion. Aber auch das Anpflanzen von Erlen, Birken und Haseln in den Städten kann für den Anstieg verantwortlich sein. Lediglich November und Dezember können noch als pollenfreie Monate bezeichnet werden.

Immuntherapie

Dabei sind die Symptome nicht zu unterschätzen: Erschöpfung, Schlafmangel und, aufgrund des geschwächten Immunsystems, weitere Infektionen. Eine vollständige Heilung von der Pollenallergie ist nicht möglich. Die spezifische Immuntherapie kann durch die wiederholte Gabe des Allergens die Immunreaktion nach und nach abschwächen. Österreichische Wissenschaftler konnten mit dem Apfelallergen erste Erfolge erzielen. Sie fanden heraus, dass sich die Apfelallergie mit einem Apfel-Allergen gut behandeln lässt.

In einer Studie haben die Wissenschaftler am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien das künstlich hergestellte Apfelallergen (das Molekül Mal d 1) als Tropfen unter die Zunge verabreicht, um den Verzehr eines Apfels zu imitieren. Dadurch wurde das Immunsystem aktiviert, erste Anzeichen von Toleranz konnten gemessen werden.

Etwa 8 Prozent der Schweizer und rund 7 Prozent der Deutschen haben eine Birkenpollenallergie. Sie lässt sich durch impfen gut behandeln, doch das Birkenpollen-Allergen hilft nur selten gegen Kreuzallergien. 70 Prozent der Birkenpollenallergiker leiden auch an einer Nahrungsmittelallergie wie beim Verzehr von Äpfeln, Nüssen, Pfirsichen oder Kiwis. Eine Allergie unbehandelt zu lassen, kann Konsequenzen haben: Innerhalb von 10 bis 15 Jahren entwickeln etwa 40 Prozent der Allergiker ein allergisches Asthma.

Material von: science.ORF.at/APA/scinexx.de/spiegel.de

Letztes Update: 28.8.2013

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