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Lyme-Borreliose


Die Borreliose ist eine oft über Jahre in Schüben auftretende und zum Teil chronisch verlaufende entzündliche Erkrankung, die durch Zeckenstiche übertragen wird.


Ein Synonym der Borreliose ist die Lyme-Borreliose. Die Bezeichnung Lyme-Borreliose kommt vom Namen des Ortes Lyme im US-Bundesstaat Connecticut, in dem in den 1970er Jahren gehäuft Gelenkentzündungen nach Zeckenstichen auftraten. Die Krankheit wurde dort 1975 erstmals genauer beschrieben.

Der Erreger Borrelia burgdorferi wurde nach dem Schweizer Forscher Willy Burgdorfer benannt, der die spiralförmigen Einzeller 1980 im Darm von Zecken entdeckte. 

Leben mit der Krankheit

In der Frühphase der Erkrankung reicht eine Behandlung mit Antibiotika in Tablettenform, ab Stadium II sind Antibiotika-Infusionen meist im Krankenhaus notwendig. Wegen der Zähigkeit der Infektion durch die Borrelienerreger sind oft mehrere Behandlungszyklen erforderlich. Regelmäßige Laborkontrollen gehören ebenso dazu.

Ungefähr zehn Prozent der Borreliose-Patienten tragen dauerhafte Knieprobleme davon, die Rehabilitationsmaßnahmen wie bei Rheumatoide Arthritis erfordern. Bezogen auf die Gelenkentzündung unterscheiden sich diese nicht grundsätzlich von anderen Nachbehandlungsmethoden bei Arthritiden.

Mögliche Folgeerkrankungen

In letzter Zeit wird zunehmend häufiger das so genannte «Post-Lyme-Syndrom» beobachtet, ein chronisches Müdigkeitssyndrom, das gelegentlich von Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gelenksschmerzen ohne objektivierbaren Befund begleitet wird.

Ursachen

Der Erreger der Lyme-Arthritis sind verschiedene Bakterien aus der Borrelien-Gruppe, die in erster Linie durch den gemeinen Holzbock, eine in den USA und Europa weit verbreitete Zeckenart, nach einem Stich übertragen werden.


Die wichtigsten Erreger, Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii und Borrelia afzelii sind mit dem Syphiliserreger Treponema pallidum eng verwandt. Vermutet wird, dass auch Fliegen, Mücken oder Bremsen Überträger sind. Dies konnte aber noch nicht bewiesen werden. Die Fliege müsste zuerst eine borrelienverseuchte Maus stechen und dann einen Menschen. Borrelien sind wegen ihrer immunologischen Unauffälligkeit, ihrer langsamen Vermehrung und ihrer mangelnden Aggressivität für das Immunsystem überaus schwer zu orten.

Das Immunsystem erkennt zwar, dass Fremdkörper vorhanden sind, kann diese aber schwer fassen. Es überzieht deshalb in gewissen Abständen das ganze Rückzugsgebiet der Borrelien im Körper mit einem «Flächenbombardement». Weil Borrelien im Darm der Zecken leben, dauert es einige Zeit, bis sie von der Zecke ins menschliche Blut gespült werden. Wenn ein Erwachsener eine Zecke binnen 24 Stunden auf seinem Körper entdeckt, ist die Ansteckungsgefahr nahe null.

Wie viele Zecken sind mit Borrelien infiziert?


10-35 Prozent der Zecken haben die Bakterien (Borrelien), bei FSME sind lediglich 0,1 bis 5 Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. 2-6 Prozent der Deutschen, die von Zecken gebissen werden, infizieren sich mit Borrelien.

Wie häufig ist Borreliose?

In Deutschland schätzt man die jährlichen Erkrankungen auf eine Zahl zwischen 40'000 und 80'000, in der Schweiz werden jedes Jahr rund 3'000 Personen durch einen Zeckenstich mit Borrelien infiziert.


Die Infektion verläuft in vielen Fällen unbemerkt; auch die typische rötliche Verfärbung um die Einstichstelle (Wanderröte, Erythema migrans) tritt nur in jedem zweiten Fall auf. Die beste Prävention einer Borrelien-Erkrankung ist in jedem Fall die rasche Entfernung der Zecke: Diese beginnt frühestens nach sechs bis acht Stunden, Borrelien in den Blutkreislauf des Wirts abzugeben.

Wass passiert bei einer Infektion?

Nach Zeckenstichen werden die Borrelien nicht automatisch übertragen.


Erst wenn sich die Zecke - voll angesogen - sozusagen «erbricht», gelangen die Borrelien in den menschlichen Blutkreislauf. Bis eine erwachsene Zecke beginnt, für sie unbrauchbares Wasser und Gewebsflüssigkeit in den menschlichen Kreislauf zurückzupumpen, können ein bis drei Tage vergehen. Gelangen die Borrelien in die Wunde des Opfers, können sie dort vom Zeckenspeichel sogar vor der körpereigenen Abwehr geschützt werden. Im Speichel der Zecke ist eine Art Betäubungsmittel, so dass der Zeckenstich meist nicht zu spüren ist. Gefährlicher sind die Stiche von jungen Zecken, den so genannten Nymphen. Die um ein Vielfaches kleineren Tiere sind schwerer zu entdecken und beginnen - weil schon nach einem Tag satt - viel früher mit dem Zurückpumpen.

Die mit freiem Auge kaum erkennbaren Zeckenlarven wiederum sind ungefährlicher, weil nur in Ausnahmefällen schon mit Borrelien verseucht. Je nachdem wo sich die Bakterien verstecken, kann es in der Folge zu Gelenkentzündungen, Hautausschlägen, Nervenschäden oder auch Herzmuskelentzündungen kommen.

Nach der Infektion verbreitet sich der Erreger in fast alle Organe, darunter auch die Gelenkinnenhaut. Über die Gründe, weshalb das menschliche Immunsystem besonders in den Gelenken überreagiert, gibt es bisher nicht viel mehr als Spekulationen. Vermutet wird, dass die Oberflächeneiweiße der Borrelien den Eiweißen der Gelenkinnenhaut derart gleichen, dass immunologische «Kreuzreaktionen» möglich sind und somit das Immunsystem statt den Bakterien die eigenen Gelenke angreift. Einmal an die Innenhaut angedockt, erkennt das Immunsystem - zu spät - das fremde Eiweiß und reagiert mit der Ausschüttung von Entzündungsstoffen.

Diagnose

International akzeptierte Diagnosekriterien existieren nicht, deshalb bereitet die nicht heilbare Borreliose den Ärzten einiges Kopfzerbrechen, denn sie nicht einfach nachzuweisen.


Dringen die Bakterien in den Körper ein, erfolgt eine Entzündungsreaktion: Meist rötet sich die Haut kreisförmig um den Stich, da sich die Borrelien ebenfalls kreisförmig ausbreiten. Gelingt es dem Immunsystem nicht, die Bakterien abzuwehren, können diese verschiedene Organe befallen. Symptome wie Gelenk- oder neurologische Beschwerden mit Schmerzen und Lähmungserscheinungen können die Folge sein. Meist werden die Bakterien nur indirekt über die vom Körper gebildeten Antikörper nachgewiesen. Allerdings zeigt dieser Test nur, dass sich der Körper irgendwann einmal mit Borrelien auseinandergesetzt hat, jedoch nicht wann. Dadurch kann zwischen Infizierung und Diagnose wertvolle Zeit verstreichen, die mitunter für die chronische Verschleppung dieser Erkrankung verantwortlich sein kann.

Außerdem kann sich nicht einmal jeder Dritte bei einem Arztbesuch an einen Zeckenstich erinnern, weshalb die Diagnose Borrelien-Arthritis selbst in durchseuchten Zeckengebieten häufig nicht gestellt wird. Ein Verdacht auf Borreliose-Arthritis, der sich im Arztgespräch und bei der körperlichen Untersuchung oder typischen kreisrunden Rötung stellt, muss in Laboruntersuchungen abgeklärt werden. Mit Zeckeninfektionen vertraute Labors bieten den Borrelien-Test (Elisa-Suchtests und Western-Plot-Bestätigungstests) heute bereits routinemäßig an.

Borrelien können auch im Blut oder dem Urin identifiziert werden. Allerdings sind die Testverfahren aufwändig und gelingen mitunter nicht. Daher ist eine eindeutige Diagnose nicht immer leicht zu stellen. Sie wird auch deshalb oft schwer erkannt, weil die Betroffenen häufig kaum Schmerzen haben und die Schwellungen der Gelenke oft von selbst wieder zurückgehen, allerdings nur vorübergehend.

Beschwerden/Symptome

Die Lyme-Borelliose wird in drei Stadien eingeteilt, wobei die Gelenkentzündung in der Regel einige Monate nach der Infektion in Stadium drei auftritt.


Stadium I

Bei ungefähr 60% aller Borreliose-Infektionen tritt nach einigen Tagen bis Wochen rund um die Stichstelle eine klar abgegrenzte, kreisförmige Rötung auf. Hier ist sozusagen die Frontlinie zwischen Borrelien und körpereigener Immunabwehr. Dieser Kreis weitet sich konzentrisch aus, wird dabei immer blasser und verschwindet schließlich Wochen und Monaten.

ZEcke Haut Wanderröte

(Bild: Dreamstime.com/Falk66)

Diese so genannte Wanderröte (Erythema migrans) kann in den verschiedensten Ausformungen auftreten (hantelförmig, ellipsenförmig, unregelmäßig) und ist ein sicheres Zeichen für eine erfolgte Infektion. Begleitet wird die Infektion manchmal von grippeähnlichen Symptomen, wie Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen. Gelegentlich kommt auch die Bildung von Leber-, Milz- und Lymphknotenvergrößerungen vor.

Stadium II

Meist kommt es erst nach einer Latenzzeit von bis zu zehn Wochen zur Streuung des Erregers über Blutbahn (Bakteriämie) oder Lymphbahn. Dadurch treten dann die Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen und selten auch eine Gewichtsabnahme auf. Manchmal wird auch Haarausfall beobachtet. In dieser Phase sind unerträgliche Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Schwindelattacken häufig. Ganz besonders charakteristisch sind extreme nächtliche Schweißausbrüche und Episoden mit unangenehmen Empfindungen durch einen schnellen und als heftig empfundenen Pulsschlag. In seltenen Fällen werden polytope Erytheme (Wanderröte an mehreren Körperstellen) beobachtet. Im Stadium zwei können auch schon Gesichtslähmungen auftreten, ebenso Bindehaut-, Augenhaut-, Pupillenentzündungen und Entzündungen des gesamten Augapfels. Bei rund acht Prozent der Betroffenen treten Herzrhythmusstörungen und Entzündungen des Herzbeutels auf, die Brustschmerzen verursachen können.

Stadium III

Das Stadium III, in dem Organ- und Gelenksentzündungen vorrangig auftreten, kann sich nach einigen Monaten oder Jahren, aber auch ansatzlos, unter Auslassung der ersten beiden Stadien entwickeln und dennoch alle Beschwerden beinhalten. In diesem Stadium kommt es auch zu einer typischen Verdünnung und Fältelung der Haut und zur Entzündung des Gehirns und des gesamten Nervensystems. Unbehandelt kann sich dieser Verlauf über Jahre, einige Experten meinen sogar über Jahrzehnte, hinziehen. Typisch für die Borreliose-Arthritis ist, dass die Beschwerden zwischendurch immer wieder verschwinden. Ebenfalls typisch ist, dass die Entzündung nur an einigen wenigen Gelenken auftritt. Am häufigsten ist das Kniegelenk betroffen, meist begleitet von einem massiven Gelenkerguss und mit gallertartiger Masse gefüllten Hohlräumen in Gelenksnähe, den so genannten Baker-Zysten. Die Schmerzen sind in der Regel nicht allzu groß und selten sind viele Gelenke entzündet. Typische Anzeichen können «Wurstfinger» oder «Wurstzehen» sein, weil die Gelenkschwellung ausstrahlt. Auch die Fersen können angeschwollen sein.

Behandlung

Antibiotika gelten als Mittel der Wahl bei der Behandlung der Lyme-Borreliose.


Eine frühe Behandlung trägt dazu bei, dass Komplikationen vermieden werden können. In Einzelfällen kann es sein, dass die Antibiotikatherapie zuerst wirkungslos bleibt. Dann wird versucht, die Therapie mit einem ähnlichen Antibiotikum zu wiederholen. Normalerweise wird eine erfolgreiche Antibiotikatherapie die Arthritis binnen relativ kurzer Zeit - innerhalb von drei bis vier Wochen - ausheilen. Im frühen Ansteckungsstadium können die Antibiotika oral verabreicht werden. Bei länger zurückliegenden Infektionen müssen die Antibiotika höher dosiert werden, am besten geschieht das dann intravenös in ambulanter oder stationärer Therapie.

Ob der orale oder der intravenöse Ansatz günstiger ist, ist unter Experten umstritten. Im Regelfall klingen alle entzündlichen Prozesse rasch ab. Bei jahrelang nicht therapierter Borreliose können allerdings irreparable Nerven- und Gelenksschäden zurückbleiben. Für die Behandlung der Gelenksentzündung eignen sich nichtsteroidiale Antirheumatika. Basistherapeutika, die für die Langzeitbehandlung bei Rheumatoider Arthritis angewendet werden, sind bei der Borrelien-Arthritis noch nicht erprobt. An physikalischen Therapieformen werden die üblichen lokalen Maßnahmen wie Kältetherapie, Entleerung eines großen Ergusses durch Ableiten über eine Kanüle aus dem Gelenk (Gelenkpunktion) und Ruhigstellen des Gelenkes mittels Schienen oder Bandagen eingesetzt. Aus naturheilkundlicher Sicht steht die Stärkung der Immunabwehr im Vordergrund. >> Mehr zur natürlichen Borreliose-Therapie

Vorbeugung - Prophylaxe

Bisher gibt es in Europa weder eine wirksame Prophylaxe noch einen Impfstoff.


Das Meiden von mit Borrelien verseuchten Zeckengebieten erscheint daher als wirksamste Vorbeugemaßnahme. Zecken lieben gemäßigt warmes, feuchtes Klima, wo Wein wächst, Lössböden, Buchen und Eichen sind für sie günstig (langsam verrottendes Laub, Nahrung). Die Zeckendichte geht parallel mit der Mausdichte. In Endemiegebieten sind circa 30% der Zecken Borrelienträger. Fast alle Länder Europas haben eine Zeckenatlas, die man vor einer geplanten Reise studieren kann.

Lange Hosen mit Abschlussbund zu tragen, hilft ebenfalls, Zeckenstiche zu vermeiden. Denn, entgegen der landläufigen Meinung, lauern die Zecken nicht auf Bäumen und lassen sich auf vorbeihuschende Warmblüter fallen, sondern hocken auf Gräsern oder in niederen Büschen. Von dort setzen sie bei Anstreifen auf ihre Opfer über.

Nach der Heimkehr aus verseuchten Gebieten sollte man sich daher nach Zecken absuchen und gegebenenfalls die Zecken fachgerecht entfernen. Eine vorbeugende Impfung gegen Borreliose ist in den USA bereits entwickelt worden. Sie wurde aber wieder vom Markt genommen, weil sie im Verdacht steht, Autoimmunreaktionen zu erzeugen.

>> Mehr Tipps zur Vorbeugung

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