A.Vogel Blog
Aronia: Beere mit herbem Charme

Herkunft

Aronia melanocarpa lautet der botanische Name der Aronia, die zu den Rosengewächsen zählt. Im Volksmund wird sie Edel-Eberesche oder Schwarze Apfelbeere genannt, weil ihre zierlichen weissen Blüten den Apfelblüten ähneln und die aufgeschnittenen Früchte an einen Apfel erinnern.

Die aus Nordamerika stammende Aroniabeere kam bereits um 1900 nach Russland und wurde in den 1940ern als Heilpflanze kultiviert. Aus der ehemaligen Sowjetunion gelangte sie nach Sachsen und wurde Anfang der 1970er-Jahre erstmalig in der Oberlausitz angebaut. In Westdeutschland jedoch kannte man sie kaum. Es dauerte bis ins jetzige Jahrtausend, bis Plantagen auch in Nordhessen, Bayern und Niedersachsen entstanden. In der  Schweiz wird die herbe Beere erst seit einigen Jahren angepflanzt. Hauptanbaugebiet ist immer noch Polen mit fast 14 000 Hektar.

Reich am Pflanzenfarbstoff Anthocyan

So robust wie der Charakter der Pflanze, so eindrucksvoll ist der Geschmack ihrer Beeren: ziemlich herb, ein bisschen sauer und nur wenig süss. Der Geschmack entsteht durch die rot-blaue Farbe, die sich in der Schale der Früchte konzentriert – der Farbstoff gehört zu den sekundären Pflanzenstoffen, an denen die Aronia besonders reich ist. Von diesen Pflanzenstoffen haben die Wissenschaftler vor allem eine Gruppe im Blick: die Anthocyane, die die Aronia zur herausragenden «Gesundheitsbeere» machen.

Anthocyane sind wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, die Heidel- und Preiselbeeren rot und Auberginen violett färben. Ihnen wird eine stark antioxidative Wirkung zugeschrieben: Sie verhindern Oxidationsprozesse, die von freien Radikalen verursacht werden und die menschlichen Zellen schädigen.

Wissenschaftler stellten fest, dass Aroniabeeren im Vergleich zu anderen Beeren die höchste Anthocyan-Konzentration besitzen, nämlich etwa 800 Milligramm auf 100 Gramm Früchte. Zum Vergleich: Die ebenfalls als anthocyanreich geltenden Blaubeeren enthalten in der gleichen Fruchtmenge 160 Milligramm. Auch der Gehalt an antioxidativ wirkenden Tanninen ist in der Aronia weitaus höher als in allen anderen Beeren. Die Lebensmittelindustrie nutzt diesen Umstand und verwendet Aronia als natürlichen Farbstoff.

Aronia Beeren gesund

 

Hilft bei

  • Abwehr von freien Radikalen

Freie Radikale entstehen durch Stress, Umweltgifte und Strahlung, und vor allem ältere Menschen sollten sich vor ihnen schützen: Denn im Alter wird das Immunsystem schwächer, und die Abwehrmechanismen funktionieren nicht mehr so gut wie in jungen Jahren.

Weitere Antioxidantien in der Aroniabeere waren in Polen schon 2005 Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie: Aneta Wojdylo und Jan Oszmiánski von der Universität Wroclav untersuchten die sekundären Pflanzenstoff-Gruppen der Phenole und Tannine. Sie stellten unter anderem fest, dass der Gehalt der antioxidativ wirkenden Tanninen in Aroniabeeren weitaus höher ist als der in allen anderen Beeren. Das Fazit der Forscher: Die antioxidative Wirkung der Aronia sei «vergleichbar mit der traditioneller chinesischer Heilpflanzen, die gegen Krebs eingesetzt werden».


  • Diabetes

Aroniabeeren galten als vitaminreiches Dörrobst, und man setzte sie bei Krankheiten des Verdauungstrakts, bei Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Arteriosklerose ein – außerdem aber auch bei Strahlenschäden, da die Inhaltsstoffe Schwermetalle aus dem Körper schwemmen sollen.

Aronia enthält von Natur aus wenig Fruchtzucker, statt dessen aber viel Sorbit. Das ist ein Zuckeraustauschstoff, der unabhängig von Insulin verstoffwechselt wird. Möglicherweise daher hat die Aronia sich auch schon in der Diabetes-Therapie bewährt.

Eine Untersuchung der bulgarischen Medizinischen Universität Plovdiv aus dem Jahre 2002 zeigte, dass sich die regelmäßige Einnahme des kalorienarmen Aronia-Saftes positiv auf den HbA1c-Wert aus, einem wichtigen Indikator in der Diabetes-Therapie. Ebenfalls positiv waren die Effekte auf Cholesterin- und Lipidwerte.

  • Entzündungen

Eine Reihe weiterer positiver Wirkungen werden der Aroniabeere zugeschrieben: Unter anderem soll sie entzündungshemmend wirken, und in den USA werden Harnwegserkrankungen und verschiedene Herzbeschwerden mit Aronia behandelt.

Eine kürzlich in den USA von Forschern der Ohio State University veröffentlichte Studie unterstellt der Pflanzenstoff-Gruppe der Anthocyane in den Aroniabeeren sogar eine krebszellenabtötende Eigenschaft. Bislang war lediglich bekannt, dass die Gesundheitsbeere das Wachstum von Krebszellen verlangsamen kann.

 

Aronia im Garten

Die Aronia ist sehr genügsam und kommt mit fast jedem Klima und jedem Boden zurecht. Sie trägt viele Beeren und befruchtet sich selbst. Weil der Farbstoff der Aronia Parasiten abhält, sind beim Anbau keine Pflanzenschutzmittel nötig. Ein weiterer Vorteil für Naturfreunde: Die üppigen Blütendolden im Frühjahr sind begehrte Bienenweide; im August locken die reifenden Früchte viele Vögel an. Mit ihrer reichen Blüte im Mai und der roten Laubfärbung im Herbst ist die Aronia eine attraktive Heckenpflanze, die kaum geschnitten werden muss.    

 

Aronia-Chutney

Wer die robuste Wildpflanze im eigenen Garten hat, kann ihre Früchte auf vielfältige Weise in der gesunden Küche verarbeiten: zu Jogurt, Eis und Konfitüren, zu Saft, Sirup, Likör und Obstwein. Erdbeermarmelade wird mit Aronia intensiv und dauerhaft rot. Die frischen Beeren lassen sich zwar nur gut zehn Tage lagern; aber gedörrt schmecken sie bis in den Winter hinein. Da der Aronia-Farbstoff nicht abwaschbare Flecken hinterlässt, ist bei der Verarbeitung Vorsicht geboten.

Der Dresdner Sternekoch Stefan Hermann vom Restaurant «Bean & Beluga»  stellt für die GN eines seiner Lieblingsrezepte mit Aronia vor: Ein Aronia-Chutney.

Autorin: Gisela Dürselen

 
 
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