A.Vogel Blog
Aronia Beeren

Interview mit Prof. Sabine Kulling

Die Lebensmittelchemikerin Prof. Dr. Sabine Kulling vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Potsdam leitet seit August 2006 ein neues Forschungsprojekt zur Aronia. Die Studie läuft über drei Jahre, wird vom deutschen Forschungsministerium gefördert und ist Teil eines Projekts zur grundlegenden Erforschung von sekundären Pflanzenstoffen. Autorin Gisela Dürselen sprach für A.Vogel mit Prof. Kulling.

A.Vogel (AV): Es gibt bereits Untersuchungen zu den gesundheitsfördernden Wirkungen der Aroniabeere. Was ist neu an Ihrer Studie?

Prof. Sabine Kulling: Neu an unserer Studie ist, dass wir den Bogen spannen von der molekularen Grundlagenforschung bis hin zu anwendungstechnischen Verfahren für die Produktverbesserung und  -entwicklung. Wir setzen uns detailliert damit auseinander, wie die sekundären Pflanzenstoffe in Aronia vom Körper aufgenommen und verstoffwechselt werden. Zum anderen arbeiten wir daran, den Gehalt und die Bioverfügbarkeit der sekundären Pflanzenstoffe in der Aroniabeere in verarbeiteten Aroniaprodukten zu verbessern.

AV: Bezüglich der krebsvorbeugenden Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe sind die Anthocyane im Gespräch. Was ist das Interessante an den Anthocyanen? Und wie steht es mit ihrer Bioverfügbarkeit?

Prof. Kulling: Besonders interessant an Anthocyanen ist, dass bislang keine negativen Wirkungen bekannt sind – selbst dann nicht, wenn sie in sehr hoher Dosierung verwendet wurden.

Die Bioverfügbarkeit der Anthocyane ist sehr gering. Das heisst, nur ein geringer Teil der mit der Nahrung aufgenommenen Pflanzenfarbstoffe erreicht auch das Blut.

Das bedeutet aber keinesfalls, dass sie deshalb unwirksam wären. Vielmehr verbleibt so ein grösserer Anteil der Anthocyane im Darm, wo sie lokal wirken können. In Tierstudien konnte gezeigt werden, dass Beerenextrakte schützend hinsichtlich Darmkrebs wirken. Diese Wirkung konnte zu einem Grossteil auf die enthaltenen Anthocyane zurückgeführt werden.

AV: Wie sehen die bisherigen Ergebnisse der Studie zu den ernährungsphysiologischen Aspekten der Aroniabeere aus?

Prof. Kulling: Bei der Aroniabeere ist in erster Linie der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen herausragend. Natürlich enthält diese Beere auch Vitamine und Mineralstoffe. Aber hier ist der Gehalt nicht höher als bei anderen Beerenfrüchten auch.

Erwähnenswert ist sicher, dass Aroniabeeren vergleichsweise wenig Fruchtzucker enthalten und statt dessen einen hohen natürlichen Gehalt an Sorbit aufweisen, einem Zuckeraustauschstoff, der Insulin-unabhängig verstoffwechselt wird.

Aroniabeeren können in vielen Zubereitungen genossen werden, da die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe – anders als viele Vitamine – auch bei Verarbeitungsprozessen nicht abgebaut werden. Aronia-Saft ist sicherlich eine sehr einfache und wohlschmeckende Zubereitung, denn die frischen Beeren sind aufgrund ihres herben und zusammenziehenden Charakters nicht für jeden etwas.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht wäre es sehr wünschenswert, wenn die Aroniabeere einen höheren Bekanntheitsgrad erlangen würde.

 
 
 
 
 
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