A.Vogel Blog
Braunalge, Macrocystis pyrifera im Wasser

Geschichte

Das Leben auf unserem Planeten nahm wahrscheinlich mit algenähnlichen Mikroorganismen seinen Anfang. Sie brachten das Kunststück fertig, mit Hilfe der Sonnenenergie aus Licht und Gasen die Bausteine unseres heutigen Lebens hervorzubringen. Die "Begrünung" der Ozeane war das Schlüsselerlebnis für das sich entfaltende Wunderwerk der Evolution. Die Pflanzenwelt hat sich als erstes daraus entwickelt und die Grundlage für sauerstoffabhängige Lebewesen gebildet. Die Pflanzen haben sich in vier Epochen entwickelt:, weshalb man sie entwicklungsgeschichtlich in vier Gruppen einteilt: Lagerpflanzen, Farnpflanzen, Nacktsamer und Bedecktsamer. Bakterien, Algen, Flechten und Pilze, die als erste entstanden sind, nennt man Lagerpflanzen oder Thallophyten. Die Algen, von denen insgesamt mehr als 25000 unterschieden werden, leben nach wie vor im Wasser. Manche Algenarten bringen es zu flutenden "Blättern'; vertikalen "Stengeln" und" Wurzeln". Diese Ähnlichkeit mit höheren Pflanzen nennt man Konvergenzen (von lat. convergere = zusammenneigen). Nach den wechselnden Farbstoffen unterscheidet man drei Hauptgruppen der Algen: Grünalgen (z.B. Chlorella vulgaris), Braunalgen (z.B. Macrocystis pyrifera, Fucus vesiculosus) und Rotalgen (z.B. Carrageen, Agar-Agar). Eine vierte Gruppe sind die Blaualgen, zu denen Spirulina und Afa gehören. Ihre Einordnung zu den Algen ist wissenschaftlich umstritten. Sie werden heute meist zu den Cyano-Bakterien gezählt.


Zeichnung Braunalge, Macrocystis pyrifera


Abb.: Macrocystis pyrifera (L.) CA AGARDH, links: ganze Pflanze; rechts: Detail Thallusspitze; hier erkennt man die von der Basis zur Spitze fortschreitende Differenzierung der Seitenblätter durch Einschlitzen des Phylloids.


Algen und Mikroalgen bilden nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle für die Meeresbewohner, sondern seit jeher auch für die Menschen. Für Küstenbewohner gehören die nährstoffreichen Algen zum "täglichen Brot". Bereits die Maya und Azteken kultivierten Mikroalgen im grossen Stile und aßen sie mit Mais. In den grossen Seen Afrikas wurden und werden Mikroalgen gezüchtet, getrocknet und zu Algenkuchen gepresst oder mit anderen Speisen und Gewürzen gemischt (z.B. Dihe; aus Spirulina, Hirse, Kräutern und Gewürzen). Die Wakame-Braunalgen werden vor allem in asiatischen Ländern verzehrt. Man nennt sie ebenfalls Kelp; womit jedoch ganz verschiedene Arten von Braunalgen gemeint sind. Der lateinische Name der Riesenbraunalge Macrocystis bedeutet "Riesenblase" und bezieht sich auf die Grösse der Algen und auf ihre Schwimmblasen. In Chile heißt diese Alge "huiro". Aus der Asche von Meeresalgen konnte 1811 Courtois elementares Jod nachweisen. Dieses Halogen hat die Ordnungszahl 53 im Periodensystem und ein Atomgewicht von 126,90.

 

Botanische Merkmale

Dieser Riesentang ist mit hakenförmigen Rhizoiden im steinigen Meeresgrund verankert. Die konisch ausgebildeten Haftscheiben haben einen Durchmesser von bis zu 1 m. Daraus wächst ein tauartiges Kauloid, das sich verzweigt. Ein Zweig wird Thallus (Plural Thalli) resp. Sporophyt genannt. Daran bilden sich ledrig-dicke, blattartige Abschnitte, die Phylloide, die an ihrem Grund eine birnenförmige Schwimmblase tragen. Das terminale Phylloid jedes Zweiges ist breit sicheiförmig mit 18 bis 20 jungen Seitenblättern.

Die Differenzierung dieser Seitenblätter erfolgt durch fortschreitendes Einschlitzen des Phylloids vom Stengel zur Blattspitze hin. Reife Seitenblätter sind lanceolat, mit glatter bis leicht rauher Oberfläche. Blattabschnitte, die Sporenbehälter tragen (Sporophylle), sind bis auf einen sterilen Blattrand auf beiden Seiten mit Sporangien bedeckt. Die Fortpflanzung ist durch einen heteromorphen Generationswechsel gekennzeichnet. Der Sporophyt setzt pro Individuum mehrere Trillionen frei beweglicher Zoosporen frei, aus denen sich männliche und weibliche Gametophyten entwickeln. Nach der Befruchtung der Eizellen durch die Spermatozoen keimen Sporophytenkeimlinge aus, die sich rasch zum Sporophyten entwickeln. Der Thallus des Riesentanges Macrocystis pyrifera schwimmt nahe an der Wasseroberfläche wird 50 bis 60 m lang und mehrere Tonnen schwer.

 

Vorkommen

Das Hauptverbreitungsgebiet von Macrocystis pyrifera sind die Küsten des pazifischen Amerika, hauptsächlich Chile und Kalifornien, aber auch Süd-Argentinien sowie Südafrika, Tasmanien und das südliche Neuseeland. In einigen küstennahen Flachwassergebieten bilden sich regelrechte Macrocystis-Wälder.

 

Verarbeitung

Die Bioforce verwendet die getrockneten Braunalgen aus Südafrika, die pulverisiert und zu Tabletten verarbeitet werden. Da Braunalgen Schwermetalle anreichern, werden sie standardmäßig auf ihren Gehalt an Quecksilber, Blei, Arsen sowie auf Radioaktivität untersucht. Die Braunalgen sind Ausgangsprodukt der Alginatherstellung, die äusserst vielfältig in der Lebens- und Arzneimittelindustrie eingesetzt werden.

 
 
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