A.Vogel Blog – Grüne Welt

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Der Bioland-Bauer aus dem Ländle

von Tino Richter, am 14 Juli 2016, A.Vogel, Aktuelles Thema Gesundheits-Nachrichten, Bio, Nachhaltigkeit

Marcus Arzt ist Geschäftsführer der Bioland Obst und Gemüse – Erzeugergemeinschaft GmbH & Co (EZG) und ist einer unserer HERBAMARE-Bauern. Ich habe ihn in Ditzingen besucht und zum Interview getroffen. Mehr über Bio-Landwirtschaft, Fadenwürmer und persönliche Anbau-Tipps.

Wann wurde die EZG gegründet und wie viele Betriebe gehören ihr an?

M.A.: Angefangen habe ich mit meinem Hof 1989, am jetzigen Standort ab 1993. 2002 haben wir dann mit dem geschützten Anbau in Gewächshäusern begonnen. Die EZG wurde dann 1998 gegründet. Unser Ziel war es, das Angebot unserer Höfe für die Abnehmer interessanter zu machen durch eine zentrale Bestellannahme, Auftragsbearbeitung und insgesamt durch eine größere Kontinuität. Zurzeit gehören ihr 9 Gesellschafter an, mit insgesamt ca. 180-250 ha Gemüse-Anbaufläche, das schwankt immer etwas. Neben den Gesellschaftern sind ca. 40 weitere Betriebe Lieferanten für einzelne Produkte. Deren Flächen sind nicht eingerechnet.

Wie ist die Kooperation mit der Bioforce AG zustande gekommen?

M.A.: Die Bioforce AG muss eine unserer ersten Kundinnen gewesen sein. Ich bin auf Empfehlung von Herrn Schmidt (siehe Beitrag in den «Gesundheits-Nachrichten» Juli/August 2016, T.R.)  dazugestoßen. Für mich ist die Zusammenarbeit mit der Bioforce AG sehr wichtig, da sie mir als Bio-Bauern durch eine hohe Verlässlichkeit die notwendige Sicherheit gibt.

Bio Lauch

Aus Ditzingen kommen vorwiegend Sellerie und Lauch für das HERBAMARE-Kräutersalz.

Was bauen Sie hier vorwiegend an?

M.A.: Ich selbst baue inzwischen vorwiegend Rucola und Feldsalat an, aber auch Feldkulturen wie z.B. Knollensellerie. Ich mache die Anbauplanung und unterstütze die Kollegen bei Knollensellerie, Lauch und Zwiebeln. Neben Verarbeitungsunternehmen wie die Bioforce beliefern wir auch den Naturkosthandel sowie den Lebensmitteleinzelhandel wie z.B. Edeka. Wie haben zwei Standorte, einen in Ditzingen, wo vorwiegend Sellerie und Lauch angebaut werden sowie einen in Neulußheim, wo vorwiegend Zwiebeln angebaut werden.

Warum bauen Sie gerade Lauch und Sellerie für HERBAMARE® an?

M.A.: Lauch und Sellerie sind Pflanzen, mit denen der Anbau gut planbar ist. Wir ernten, waschen und lagern wenn nötig das Gemüse zwischen bevor wir es auf die Reise nach Colmar schicken, wo das HERBAMARE®-Kräutersalz entsteht.

Wie sind Sie zur Bioland-Landwirtschaft gekommen?

M.A.: Für mich gab es nie eine Alternative zum Bio-Anbau. Mein Großvater war schon Bauer und ich habe mir dann meinen Betrieb direkt nach dem Studium selbst aufgebaut. Der Beginn war schwierig, aber mittlerweile läuft es richtig gut.

Haben Sie eine Lieblingspflanze oder ein Lieblingskraut?

M.A.: (überlegt lange) Gute Frage. Jede Pflanze mit natürlichen Mitteln zum Gedeihen zu bringen ist eine Herausforderung, wenn man von saisonal unterschiedlichen Anbaubedingungen abhängig ist. Insofern habe ich keine spezielle Lieblingspflanze.

Bioland Hof ditzingen

In Ditzingen wird bis mittags geerntet.

Wie läuft bei Ihnen so ein Tag auf dem Hof ab?

M.A.: Wir beginnen morgens um 6 Uhr mit einer kurzen Besprechung und mit der Ernte auf dem Feld. Um zehn Uhr gibts eine Kaffeepause. Geerntet wird bis mittags, danach folgen Waschen und Verpackung. Nachts holt eine Spedition die Ware dann ab. Nur für die Bioforce verladen wir das Gemüse noch selbst.

Wie sieht es generell mit der Bio-Landwirtschaft in Baden Württemberg aus?

M.A.: Wir verzeichnen eine ständig steigende Nachfrage nach Bio-Produkten. Auf der anderen Seite werden weniger als 15 Prozent der Anbaufläche nach den ökologischen Richtlinien genutzt. Aber aktuell ist der Markt auf unserer Seite – und immer mehr noch konventionell wirtschaftende Kollegen überlegen, ob sie nicht auf ökologische Landwirtschaft umsteigen sollen.

Was sind die Gründe für das Zögern?

M.A.: Zum einen hat es ökonomische Gründe. Der Wechsel zum Bio-Anbau bedarf einiges an Investitionen. Zudem kommt ein größerer organisatorischer Aufwand, aber auch fachliches Wissen hinzu.

Können Sie da ein Beispiel machen?

M.A.: Zunächst: Nicht jede Sorte ist für alle Anbauflächen geeignet. Mithilfe der Fruchtfolge stellen wir sicher, dass der Boden nicht auslaugt. Wir bauen deshalb den Sellerie nach dem Lauch und die Zwiebeln nach dem Getreide an. Das bedarf alles einer sehr guten Planung und geht auch nicht ohne Schwierigkeiten ab.

Welche Schwierigkeiten treten auf?

M.A.: Der Sellerie wird gern von sogenannten Nematoden befallen. Das sind Fadenwürmer, die natürlicherweise im Boden vorkommen. Nehmen sie überhand, zerstören sie den Sellerie. Wir konnten uns lange nicht erklären, warum diese Fadenwürmer immer wieder auftraten. Bis wir festgestellt haben, dass unser Dünger Hafer enthielt, den diese Fadenwürmer sehr mögen. Dadurch konnten sich diese stark vermehren. Seit dem wir den Hafer weglassen, gibt es auch weniger Fadenwürmer. Leguminosen (Hülsenfrüchtler wie Klee, Erbsen und Wicken) binden z.B. den Stickstoff aus der Luft gut. Das ist wiederum gut für die Nährstoffversorgung der Folgekultur, denn in der Bio-Landwirtschaft wird auf synthetische Stickstoffdünger verzichtet.  Es gibt aber auch mechanische Maßnahmen, z.B. Netze mit denen wir die Felder abdecken, um den Lauch vor Minierfliegen und Motten zu schützen.

Bioland Bauer Marcus Arzt

Bioland-Bauer Marcus Arzt inmitteln von Feldsalat, mit dem er u.a. auch an den Naturkost- sowie Lebensmitteleinzelhandel beliefert.

Wie ernährt sich denn so ein Bio-Bauer?

M.A.: Ich bevorzuge einen großen Mittagstisch mit frischem Gemüse. Meine Frau holt sich das frisch vom Feld. Bei uns kommt keine Tiefkühlkost auf den Tisch und natürlich kochen wir mit HERBAMARE®.

Haben Sie noch ein paar Anpflanz-Tipps für den Hobby-Gärtner?

M.A.: Lauch und Sellerie nebeneinander anpflanzen, üppig düngen und feucht halten. Zwiebeln zurückhaltend düngen und wenig Feuchtigkeit. Im großen Maßstab funktioniert das jedoch nicht.

Wie sieht die Zukunft der EZG aus?

M.A.: Wir wollen bescheiden aber dennoch wirtschaftlich gesund bleiben. Mit der EZG sorgen wir für Liefersicherheit, Risikoausgleich und dass die Fakturierung aus einer Hand kommt und den einzelnen Bauern entlastet. So gesehen sieht die Zukunft recht positiv aus, auch für die einzelnen Höfe. Schwierigkeiten sehe ich hauptsächlich in den Rahmenbedingungen wie fehlende Anbauflächen. Aber auch der Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel macht uns zu schaffen.


Marcus Arzt: Stellvertretender Präsident Bioland e.V., Landesvorsitzender Bioland Baden Württemberg e.V. Geschäftsführer der EZG und gleichzeitig Stellvertretender Präsident und Landesvorsitzender von Baden Württemberg des Bioland e.V. Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland mit über 6200 Landwirten, Gärtnern, Imkern und Winzern, die nach den Bioland-Richtlinien arbeiten.

Lesen Sie in den aktuellen «Gesundheits-Nachrichten» mehr über drei HERBAMARE-Bauern aus drei Ländern!

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